Una germana ad romanis.

Da Polyvios und ich beide an diesem Wochenende frei haben, möchten wir unbedingt eine Spritztour machen. Polyvios hat Xanten vorgeschlagen. Genauer gesagt, den Archäologischen Park. Der Grieche möchte sich also ansehen, was die Römer damals in Deutschland so gemacht haben. Und auch ich als waschechte Germanin muss mir das ansehen. Wir sind also heute in aller Frühe aufgestanden und haben uns auf den Weg nach Xanten gemacht, der einzigen Stadt in Deutschland, die mit X anfängt und die darüber hinaus den größten Dom zwischen Köln und dem Meer beherbergt. Um 11 waren wir da und stellten fest, dass wir nicht allein waren. Kein Wunder, steigt dieses Wochenende doch das Römerfest

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Kaum haben wir das Gelände betreten kommt uns auch schon eine Kohorte entgegen und ich wundere mich, dass die Römer in den letzten Jahrenhunderten beachtlich an Größe zugelegt haben. Ich, die ich mich mit dem Bellum Gallico während meines Studiums herumschlagen musste, weiss zufällig, dass die alten Römer eher von kleiner Statur waren, weswegen sie zunächst von den Galliern belächelt worden waren.

Im Park sind unzählige Stände aufgebaut, an denen man alle Dinge des römischen alltäglichen Lebens kaufen oder zum Teil auch selbst gestalten kann. Man findet Nachbildungen römischer Waffen, Zimmereinrichtungen, Peziosen, Kleider, Schuhen, Keramiken und jede Menge Weinschänken. Alles ist mit viel Liebe zum Detail nachempfunden. An einem Schmuckstand finde ich einen Medusaanhänger. „Das ist griechisch!“ meine ich noch zu Polyvios. Der Verkäufer erklärt mir, dass die Römer Griechenfans waren und sich so oft bei den Griechen inspiriert haben. „Das heisst ‚geklaut‘! Die griechisch-germanische Meinung ist einhellig.

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Es gibt aber auch etwas, auf das, bei aller Liebe, verzichtet wird: dieses Römerfest ist extrem unblutig. Im Amphietheater werden zwar auch Gadiatorenkämpfe gezeigt, aber ich kann mich nicht erinnern etwas von Schiedsrichtern gehört zu haben. Und auch der Kommentator bestätigt, dass die hier gezeigten Kämpfe nicht original getreu sind. Das könne und wolle man nicht zeigen. „Also keine Löwen und Christenverbrennungen.“ Auch das waren die Römer. Das Publikum stört sich aber nicht daran.

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Männern beim Kämpfen zuzusehen, macht hungrig und so gehen Polyvios und ich in die nahe gelegene Taverne. Eine Strategie der Römer war bekanntlich, den beiegten Völkern zu erlauben, ihre Sitten und Gebräuche zu behalten. So gibt zwar auch typisch germanische Küche, wie Schnitzel mit Pommes, aber heute soll es römisch sein. Mein persönliches Highlight. Ob es wirklich römisches Essen ist, ist dabei nebensächlich.

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Bene sapiat!

Nach dieser Stärkung erkunden wir weiter den Markt. Dabei stossen wir auf eine römische Modenschau. Das ist doch mal was. Was trugen die Römerinen so? Das verrät man uns aber nicht. Sie zeigen ihre Inerpretation der damaligen Mode. Genau könne man das nicht sagen. Und ich dachte, man sieht das auf Bildern oder in Beschreibungen. Aber vielleicht auch nicht, weil die Leute damals das nicht für aufschreibungswert hielten. Was sie wohl aufschrieben war, dass die (schwarzhaarige) Römerin, die was auf sich hielt und Geld hatte, sich blonde (germanische) Perücken kaufte.

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Römerin Claudia hat ihre heute wohl vergessen!

Polyvios möchte sich noch Römische Kriegsstrategien ansehen und so machen wir uns auf, den Übungsplatz zu finden.

Hier beschleicht mich das Gefühl, dass die Disziplin in der Truppe in den letzen Jahren stark abgebaut hat. Man erklärt uns, dass das Römische Heer eine Berufsarmee war und dass die Legionäre in absolut guter körperlicher Verfassung waren, aber auch hier sind die Legionäre nicht nur verdammt groß sondern auch verdammt untrainiert. Dass das Waschbärbauch über dem Cingulum (ein reich verzierter Gürtel, der nie abgelegt wird und den Träger als Legionär ausweist) hängt, soll wohl vor dem Verlust des letzteren schützen.

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Also wie diese Testudo (Schildkröte) durch den Teuteburger Wald kommen will…

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