Die 21 Wahrheiten über Russland des Stephan Orth und 1 von mir

Russland, für den Durchschnittsdeutschen das Land der Bären und der Balalaikas. Ein Land, das Sehnsucht weckt. Besang doch schon Alexandra die „Sehnsucht, das alte Lied der Taiga“. Auch Stephan Orth wurde von der Sehnsucht gepackt. Aber nicht nach dem alten Lied der Taiga, sondern nach dem echten, dem wirklichen Russland. Von dem, was man hier in den Medien nicht vermittelt bekommt. Und er will die Russen kennenlernen, die echten Menschen zuhause besuchen. So macht er sich dann auf zum Couchsurfing in Russland. In seinem beim Malikverlag erschienenen Reisebericht erklärt er dann auch, wie er fast zum Putin-Versteher wurde. Nur die Bären und die Balalaikas, die fand er nicht…

von V. Fiona Schätzler

10 Wochen quer durch Russland, 24 Gastgeber, eine zurückgelegte Strecke von 21583 km, davon 11416 mit dem Flugzeug, 6229 mit Bus und Auto und 40 mit einem Pferd ! Stephan Orths Reise beginnt in Moskau bei Genrich, einem Gastgeber, der auf den ersten Bick sehr schwierig zu sein scheint mit seinen 27 Bildschirmseiten auf dem Couchsurfing-Profil. Aber Stephan reizen harte Brocken, so schreibt er ihm :“Priwjet, liebes Backpacker-Hostel ‚Genrich‘! Ich bin offen, unkompliziert, mag reisen und freue mich, neue Leute kennenzulernen. Hast du eine Couch für mich?“ und so beginnt Stephan Orths Reise durchs unbekannte Russland.
Russland erweist sich für ihn als ebensolch harter Brocken. Vor dem Hintergrund der Krimannexion, fühlt sich eine Besuch Russlands an, wie eine Reise an die Front. Aber Orth möchte mit seinem Vorhaben nicht in zu einem „Kriegs“reporter mutieren. Folglich klammert er die politischen Vorkommnisse in Russland fast weitgehend aus. Er interessiert sich nicht für Politiker, Aktivisten und Intellektuelle. Er will den normalen Russen von der Straße kennenlernen und einen Einblick in dessen Alltag bekommen. Dabei muss er feststellen, dass auch er Opfer der antirussischen Propaganda geworden ist. Und so versucht er zum Putin-Versteher (nicht Verehrer) zu werden. Will die Mechanismen aufdecken, die bei der Darstellung von Russland und Putin angewendet werden. Dabei stellt er fast, der Russe tickt genauso wie er.

Der Feld-Wald-und-Wiesen-Russe

Wie ist er nun: der Russe ?  Stephan Orth trifft auf seiner Reise viele unterschiedliche mögliche Antworten auf diese Frage. Der Russe ist ein Waffennarr, ein Musiker, ein Wodkatrinker, ein harter Broken, ein Anhänger eines neuen Messias, ein Putin-Versteher, ein Putin-Verehrer, ein Datschabesitzer, ein Pedant oder die schönste Frau der Welt, die an dem vorgetäuschten Desinteresse Orths ganz schön zu knabbern hat. Vor allem ist der Russe aber eins: herzlich, offen und gastfreundlich. So gewährt er Orth oft einen Einblick in sein Leben, seine Träume und seine politischen Ansichten. Er ist unsicher, was die Zukunft bringt, leidet an dem schlechten Image, das Russland gerade zu haben scheint und versucht aus der momentanen Lage einfach das Beste zu machen. Mit einer Prise russischem Humor und jeder Menge Wodka !

Orth schafft es mit seinem etwas unüblichem Reisebericht ein sehr authentisches und informatives Bild Russlands zu zeichnen. Mit einem Augenzwinckern erzählt er sehr liebevoll von seinen Begegnungen, ohne die Menschen dabei ins Lächerliche zu ziehen. Er lacht nicht über die Menschen und ihre Situation, er lacht mit ihnen. bei allem Humor kommt dabei auch das Informative nicht zu kurz. Neben seinen persönlichen Erlebnissen, bietet er seinem Leser auch einen Einblick in Russische Fakten, die man so mit Sicherheit noch nicht kennt. Zum Beispiel

„Blin bedeutet Pfannkuchen, ist aber auch ein universal einsetzbarer und irgendwie niedlicher Fluch. Ich glaube, wenn mehr Leute auf der Welt wüssten, dass Russen „Pfannkuchen!“ rufen, wenn ihnen etwas gegen den Strich geht, würden sie dieses Land geopolitisch nur noch als halb so bedrohlich empfinden.“ (S. 152)

Ich muss gestehen, ich finde als bekennender Pfannkuchenfreund,  der Pfannkuchen hat es zwar nicht verdient als Fluch zweckentfremdet zu werden, aber Orth hat Recht. Niedlich ist es schon !
Interessant sind auch Orths eigene gefundenen 21 Wahrheiten über Russland, die das Ende eines jeden Kapitels bilden : „Hinter einer schroffen Fassade verbirgt sich manchmal überraschende Freundlichkeit.“ (Wahrheit Nummer 1), „Je größer dein Charisma, desto mehr Binse darf deine Weisheit enthalten.“ (Wahrheit Nummer 15) oder „Man sollte mehr reisen, statt am Computer zu sitzen.“ (Wahrheit Nummer 21). Dazu kann ich nur abschließend sagen : „Ich muss mal nach Russland !“ (Fionas Wahrheit Nummer 1).

Stephan Orth : Couchsurfing in Russland
Verlag : Malik (20. März 2017)
Sprache : Deutsch
ISBN-10 : 3890294758
ISBN-13 : 978-3890294759
Preis : 16,99 €

 

+++ Ich danke dem Malik Verlag für das Rezensionsexemplar. Auf meine Meinung zum Reisebericht hatte dies aber keinen Einfluss. +++

 

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